Dienstag, 29. Dezember 2015

lessico famigliare - Lektüretipp zu Weihnachten


Italienische Weihnachten. Die schönsten Geschichten 
gesammelt von Klaus Wagenbach, Berlin: Wagenbach Verlag 2007. 

Emilio Cecchi: „Feierliche Tischrede am Weihnachtsabend“
Ermanno Cavazzoni: „Die Heiligen Drei Könige“
Andrea Camilleri: „Und das Rentier nahm den Weihnachtsmann auf die Hörner“
Laura Mancinelli: „Die Inselmusik“
Luigi Malerba: „Gold, Weihrauch und Myrrhe“
Luciano De Crescenzo: „Krippenliebhaber und Baumliebhaber“
Sebastiano Vasalli: „Der Weihnachtsroboter“
Giorgio Manganelli: „Die Krippe“
Natalia Ginzburg: „Winter in den Abruzzen“
Leonardo Sciascia: „Weihnachten im Schnee“
Franco Stelzer: „Das erste Weihnachten ohne meine Mutter“
Alberto Moravia: „Der Weihnachtstruthan“
Marco Vichi: „Die Verabredung“
Dino Buzzati: „Das seltsame Weihnachtsfest des Mr. Scrooge“
Italo Calvino: „Die Kinder des Weihnachtsmanns“
Vitaliano Brancati: „Ein ‚fortschrittlicher Mann‘ bei der Mitternachtsmesse“
Mario Soldati: „Täuschung und Gewißheit“
Gianni Celati: „Mit dem Paradies ist es vorbei“


Bis auf Emilio Cecchi, der 1884 in Florenz geboren wurde, sind alle hier versammelten Autoren Kinder die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Welt gekommen sind. Darunter dem kundigen Leser bekannte Größen wie Alberto Moravia oder Italo Calvino sowie Autoren, die in den letzten Jahren größte Beliebtheit beim deutschen Publikum gefunden haben wie Andrea Camilleri. Wenngleich alle in der Anthologie versammelten Texte Kurzgeschichten sind, handelt es sich dabei um Vertreter für unterschiedliche Genres und Stile. So stößt der magische Realismus Dino Buzzatis auf den Neorealismus von Alberto Moravia und die Krimiliteratur von Andrea Camilleri auf die mit politischen Untertönen durchsetzten Alltagsaufnahmen von Leonardo Sciascia. Genauso vielseitig wie die Figuren sind die Künstlerpersönlichkeiten, die oft nicht nur Dichter, sondern auch Regisseur, Drehbuchschreiber, Wissenschaftler, Lektoren oder Übersetzer sind.

Die Texte erzählen komische bis tragische Szenarien, Visionen und Geschehnisse. Da ist z.B. Emilio Cecchi, der seinen Lesern das Essen zu Weihnachten als Sinnbild erkennen und es als Glaubensbekenntnis begreifen läßt, als „eßbare Krippe“ (10). Da ist Sebastiano Vasallis Weihnachtsroboter oder sind Calvinos Kinder des Weihnachtsmannes. Es wird gelacht und geweint in diesen Geschichten, die kurzweilig gelesen werden können und dennoch lange im Gedächtnis verweilen.

Zu Weihnachten, zur Vorfreude oder Nachbearbeitung, zum Verschenken und zum Selbstlesen sei daher heute die von Klaus Wagenbach persönlich zusammengestellte und herausgegebene Anthologie „Italienische Weihnachten“ sehr empfohlen.